13TH PLASSENBURG-POKAL, KULMBACH 2024

Bericht Kulmbach F3B 2024

Bei Kulmbach kommen bei mir stets Kindheitserinnerungen hoch. War es doch hier anno 2003, dass ich mit meinem Vater und weiteren Vereinskameraden des MSF Donzdorf (Grüße nach Hause!) meinen ersten F3B „Wettbewerb“ geflogen bin: Das Einsteigerseminar bei dem die Profis uns ein wenig angeleitet haben wie man F3B fliegt. Damals noch mit völlig untauglichen Modellen und absolut keiner Ahnung was man machen muss. Ganz schön lang her und eigentlich hat sich gar nicht so viel geändert. Noch immer noch bin ich am tüfteln und trainieren um zu besseren Ergebnissen zu kommen.

21 Jahre später haben wir das grässlich regnerische Wetter von damals aber abbestellt und konnten bei schönstem Wetter 2 (bzw. 3) tolle Tage im Freien verbringen. Mit Ralf Decker und Tomás Bartovsky war dieses Wochenende auch die F3/FAI Prominenz am Platz vertreten. Zum Auftakt konnte uns Helmut Bauer hier noch ein paar Anekdoten mitgeben, bevor der Wettbewerb pünktlich startete.

Samstag
(vielleicht habt ihr das schon die letzten Tage gelesen, dann könnt ihr nach unten zum Sonntag springen)

Nach einem pünktlichen Briefing konnten heute morgen auch gleich die Flugzeuge für den Zeitflug gesattelt werden. Und hier durften viele gleich Federn lassen. Waren am Ende doch mit 10 Piloten nur circa 1/3 des Feldes in der Lage die Zeit vollständig zu fliegen. Aber zumindest bei den Landepunkten haben alle ihr Ergebnis noch etwas aufgebessert. Das ganze Lag am sehr schwachen Wind, der aber oft sogar leicht von hinten kam. (erstmal war nur die Nord-Östliche Windenrichtung freigegeben.) Die niedrigen Hochstarthöhen gaben eine schwierige Ausgangslage. Die noch zu schwache Thermik ermöglichte nur ein reduziertes Sinken, das erst in niedrigen Höhen etwas besser wurde. Das dann noch zu finden war nicht einfach.

Der Speedflug mit identischer Ausgangslage war dementsprechend auch mit niedrigen Höhen und niedrigem Gewicht geflogen. Eine saubere Einteilung und sichere Wenden waren notwendig, enge Wenden sehr empfehlenswert. J Die Bestzeit mit gutem Abstand von Bernhard Flixeder mit 15,78. Nur 4 Piloten unter 17s!

Der Streckenflug wurde langsam differenzierender durch die Thermikfelder. Trotzdem 13 mal 1000er bei 8 Streckenfluggrupen. Wenn man aber die falsche Seite wählte oder zu spät kam war die gute Luft schon wieder weg und man schaute in die Röhre. Teils waren hier starke Ausreiser im Ergebnis nach unten möglich.

Runde 2

Die zweite Windenlinie wurde eröffnet und es gab im Zeitflug jetzt viel Thermik ab der ersten Gruppe. Viele Piloten an der Sichtgrenze (nach oben). Aber auch hier gab es große Ausreiser. In meiner letzten Gruppe konnte ich mit einem Höchstpegel an Adrenalin und Anspannung in niedriger Höhe noch etwas Zeit schinden und mit 7:23min Flugzeit den 1000er sichern. Heute war Zeitflug, wie schon in Hülben, erneut kein garantierter 1000er!

Der Speedflug war etwas besser als zuvor. Es kam ganz leichter Wind auf und die Zeiten fielen um circa 1-2s. Bester wurde Steffen mit 14,33s und einer ganzen Sekunde Vorsprung auf den zweiten Jürgen Pölzl.

Aber immer noch waren die Hochstarthöhen nicht besonders.

Zum Ende wurden noch zwei Zeitfluggruppen Runde 3 begonnen. Die liefen ganz gut mit den meisten Piloten die die Zeit voll machten. Morgen geht es um 8 Uhr mit Zeitflug Gruppe 3 (nur F3B) weiter. Ich schätze danach noch einen oder zwei Streckenflüge und einen Speed am Ende.

Die Verpflegung war wieder sehr gut. Schonmal vielen Dank und ich freue mich auf des morgige Mittagessen!

Und was war mit F3G? Die gibt es natürlich auch bei diesem Wettbewerb. Ich habe noch kein Stimmungsbild gemacht und kann daher nur meine persönliche Meinung hier wiedergeben.

Ein so kleiner Wettbewerb wäre normalerweise ziemlich stressig. Insbesondere im Zeitflug, wo in jeder Gruppe jemand vom Team dran ist. Heute wurde dies so gelöst: In Strecke und Zeit fliegen F3B- und F3G-Gruppen abwechselnd. Speed wird jeweils am Stück geflogen. Dies ergänzt sich sehr gut, da alle genug Zeit haben sich vorzubereiten und auch bei Seilriss oder ähnlichem gibt es keine große Hektik durch die Pausengruppe F3G. Dazu beigetragen hat, dass genug Helfer da waren um die Linien ohne Piloten zu besetzen. Erst beim zweiten Speedflug wurde die A-Linie abwechselnd von den Piloten besetzt. Definitiv eine interessante Erfahrung! Und ja, man muss sich schon gut konzentrieren um jedes mal sauber zu drücken.

Die Landemarken sind doppelt vorhanden. Einmal F3B und nochmal für F3G, die sich damit schon am Punkt aufstellen können, während B noch fliegt. Insgesamt also sogar minimal effektiveres Zeitmanagement als bei derselben Menge an Piloten nur mit F3B.

Ich versuche mich morgen mal bissl umzuhören was die anderen für einen Eindruck haben und berichte dann entsprechend.

Sonntag

Auch am Sonntag waren wir pünktlich unterwegs. Wie erwartet wurde zuerst der schon begonnene Zeitflug fertig geflogen. Etwas kräftigerer Wind aus Nord ermöglichte bessere Starthöhen und verbesserte damit die Ausgangsbedingungen deutlich. Es war zwar noch lange kein Selbstläufer, aber die durchschnittlichen Ergebnisse hatten sich deutlich verbessert.

Im Anschluss folgten zwei Streckenflüge von Runde zwei und drei. Der dritte Streckenflug wurde dabei nicht mehr abwechselnd mit F3G geflogen, sondern eine Klasse als Block, damit die Piloten gegenseitig unter den Linien helfen können. Die Helfer vom Vortag waren wohl etwas zu erschöpft.

Die Sonne war bereits kräftig am werkeln und produzierte mit komplizierten Windsystemen eine interessante Mischung aus unterschiedlichen Startrichtungen, Hochstarthöhen und Flugbedingungen. Die Ergebnisse änderten sich dadurch auch massiv von Gruppe zu Gruppe. Die Thermik war zeitlich oft nur kurz vorhanden. Und wer den richtigen Startzeitpunkt verpasste, der konnte all zu oft nur noch in der verbleibenden sinkenden Luftmasse fliegen. Und während wir im Team gestern sehr gute Ergebnisse beim Streckenflug erreichten, bekamen wir heute die andere Seite zu spüren. Immerhin konnte Steffen die Punktverluste auf Runde drei begrenzen. Nach dem guten ersten Tag aber trotzdem ein kleiner Dämpfer. Bei mir waren beide (kurz aufeinander folgende) Streckenflüge ziemlich katastrophal. (16 zu 20, 11 zu 15) Bedingt aber auch durch mangelhaftes Flugzeug-tuning im Start. Hier ist also noch etwas Trainings- und Einstellungsarbeit notwendig.
Ein paar Tropfen aus einer Wolke konnten den Ablauf nicht nennenswert stören.

Nach einer kurzen Pause gab es dann die Zwischenergebnisse und somit auch die Startlisten für den finalen Speedflug. (siehe Bilder, Beide Flixeder vor Pölzl, Besemer, Buchert und Rossmann.)

Der Wind war weiterhin etwas kräftiger als Samstag, dafür gab es aber Schatten durch die inzwischen recht große Wolke. Die Wettergötter schienen uns jedoch beim Speedflug wieder milde gestimmt zu sein. Günther Ober konnte mit einem sauberen Flug und eng geflogenen Wenden früh eine 15,4x s Bestzeit für sich reservieren. Ein paar Starter später durfte ich bei guten Bedingungen meine zuvor im Herbst 23 beim Wettbewerb auf dem Nortel aufgestellte Speed-Bestzeit auf 14,44s verbessern und zeitweise die Wertung anführen. Yeah! Der Flug hat richtig Spaß gemacht und macht die zwei schlechten Flüge davor zumindest emotional wieder wett. 😊
Für den 1000er reichte aber auch das nicht ganz. Jens Buchert startete mit einer schlechten Höhe und versuchte diese mit der Suche nach Thermik aufzubessern. Dies war jedoch vergeblich und so kam er zu einem Restart zurück. Der Fallschirm am Hochstartseil wurde aber zuerst nicht eingehängt, was noch am Boden bemerkt wurde. Bereits unter Seilzug, dauerte das beheben des Problems ein wenig. Der Stress war im ganzen Team und beim Piloten bemerkbar, während die Rahmenzeit heruntertickt. Ein schneller Rückflug und Einflug bei circa 17s verbleibender Rahmenzeit erlaubten nun keine größeren Fehler. Scheinbar hat Jens aber genau diesen Stress gebraucht und er verwandelt ihn in eine tolle 14,35s.
Steffen als nächster Starter gibt das Zeichen zum Start und erstmal tut sich: gar nichts. Kein Strom an der Winde! Die Batterie war dann schnell angeklemmt und der Start ergab eine sehr gute Ausgangshöhe. Extrem knappe Wenden bei denen ich als Helfer (Bei Steffen, nicht als offizieller) schon etwas unsicher wurde, konnten die Bestzeit nochmal um sieben hundertstel auf 14,28s verbessern. Bei Pölzl, Gerhard und Bernhard Flixeder waren die Bedingungen nicht mehr ganz so gut. Bei Gerhard kamen noch ein paar Wellenbewegungen in der letzten Strecke dazu, die die Zeit etwas stärker erhöhte. Bernhard wie gewohnt mit einem sehr sauberen Flug. Die Bedingungen gaben hier aber nicht mehr her. (15,9X s?)

Damit konnte das Treppchen doch nochmal umgeworfen werden und Steffen gewinnt den 13. Plassenburgpokal vor Bernhard Flixeder und Jens Buchert mit 1% Vorsprung!

Fazit

Wir hatten richtig tolles Wetter und einen erfahrenen Veranstalter. Drei Runden konnten komplett geflogen werden. Auch die Verpflegung war sehr gut und schnell. Ein großes Lob an alle Helfer und auch an alle Piloten die sich „nebenberuflich“ als Helfer engagierten. Insbesondere bei den Streckenflügen war es manchmal sehr turbulent und trotzdem konnte fast immer die Übersicht gewahrt werden. Das ist nicht einfach!  Ich hoffe alle hatten genauso viel Spaß wie ich und freuen sich schon auf die 2025 Edition von Kulmbach F3B! Einen großen Dank an das gesamte Team der MV Kulmbach für die Organisation und Durchführung dieses schönen Wettbewerbs!

F3G + F3B
Wie bereits am Samstag versprochen, habe ich mit einzelnen Personen über das Konzept gesprochen und mir auch selbst gestern nochmal ein paar Gedanken gemacht.
Ich glaube der Wettbewerb in Kulmbach hat gezeigt, dass dieses Konzept funktionieren kann. Laut Helmut Bauer war die kombinierte Teilnehmerzahl auch zwingend notwendig für den MV Kulmbach um diesen Wettbewerb durchzuführen. Das Abwechseln der Gruppen mit G und B führt zu einem sehr gemütlichen Wettbewerb. Da wir mit 6 Piloten ein etwas großes Team für diesen Wettbewerb waren kam mir das dieses Mal etwas entgegen, wobei es auch Sonntags ohne Abwechseln problemlos und gut geklappt hat.
Allerdings muss man natürlich auch sehen, dass wir durch gemeinsam circa 60 Piloten auch doppelt so viele Flüge benötigen um eine Runde abzuschließen. Selbst wenn man etwas mehr Pausen berücksichtigt, hätte man ohne F3G bei diesen Wetterbedingungen sicherlich eine vierte Runde, vermutlich sogar eine fünfte Runde durchführen können. Das wäre deutlich mehr Flugzeit pro Pilot und auch für das Endresultat eine bessere Mischung unterschiedlicher Flugbedingungen.
Bei den anderen Piloten habe ich sehr unterschiedliche Meinungen gehört. Von grundsätzlicher Zustimmung wegen der Notwendigkeit bis zu Ablehnung. Die begrenzte Zeit beim Abbau und Siegerehrung ermöglichte hier aber sicherlich kein repräsentatives Meinungsbild, sondern zeigt nur, dass wir hier noch nicht ganz bei der Lösung des Problems angekommen sind.

Kernpunkt sind und bleiben zwei Probleme: Geld und Helfer.
In Kulmbach wurden beide Probleme durch die erhöhte Anzahl an Personen gelöst, die sich gegenseitig geholfen haben. Mehr Piloten bei gleichem Startgeld ergaben hier auch für den Verein einen attraktiven finanziellen Anreiz.

Nun steht es aus, auch noch andere Optionen zu testen.
Definitiv vorstellbar ist genauso ein Wettbewerb nur einer Klasse bei dem die Piloten sich gegenseitig an der A-Linie aushelfen.
Hier wäre eine klare Einteilung der notwendigen Personen nötig, was jedoch auch kein Problem darstellt. Theoretisch muss jeder Pilot je Streckenflugrunde nur einmal helfen. Oder in einer Runde für drei Gruppen drücken und die folgenden zwei Runden nicht mehr.
Bei kleinen Streckenfluggruppen könnten die notwendigen Helfer seitens des Veranstalters auf minimal 5 gedrückt werden. (1 Wettbewerbsleiter, 3x B-Wende, 1x Anlage/B-Wende Reserve)
Weitere offizielle Helfer könnten beim Catering gespart werden. So schön und einfach es ist, wir könnten uns auch alle eine Brotzeit mitnehmen oder nur einen Grill hinstellen, den die Nutzer selbst nachfeuern. Selbst eine längere Mittagspause wäre eine Option mit mehr Flugzeit, bei der die Helfer sich dann auch wirklich erholen können.

Bleibt dann noch der finanzielle Aspekt. Die Ausgaben für den Veranstalter sind mir hier ehrlich gesagt nicht genau bekannt, daher freue ich mich gerne über Anmerkungen und Kommentare hierzu. Ich schätze aber, dass bereits nennenswerte Kosten durch den Betrieb und den Transport der großen Münchener Anlage entstehen. Eine kompakte Anlage mit niedrigen Kosten sollte für solche kleinen Wettbewerbe aber absolut ausreichend sein. Lünen, Binningen, Büllingen und Jesenik funktionieren ja teils schon lange sehr gut.
Gesamt sind dann die Kosten:

Gesamt also 1250€ = 42€ bei 30 Piloten ohne Gewinn.

Das wars für heute. Schaut ruhig auch bald wieder hier vorbei. Ein Update für das Nationalmannschaftsranking ist in Arbeit und hängt von Zeit und Internetverbindung auf dem Weg nach und von Örebro ab.

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